Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: zwei verwandte Berufsfelder
Kommunikation umfasst alles, womit sich eine Organisation verständlich macht: Website, soziale Netzwerke, Mitarbeiterzeitung, Broschüren, Veranstaltungen, Videos. Öffentlichkeitsarbeit (PR) richtet sich genauer an einflussreiche oder betroffene Zielgruppen: Journalistinnen und Journalisten, Politikerinnen und Politiker, Partner, Verbände, Anwohner, Beschäftigte. In einem Praktikum vermischen sich beide Bereiche oft, der Schwerpunkt hängt aber von der jeweiligen Einrichtung ab.
In einer Agentur arbeiten Sie für mehrere Kunden, mit kurzen Fristen und sehr unterschiedlichen Themen. In der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens, einer Kommune oder eines Vereins begleiten Sie dagegen nur eine Organisation und lernen deren Geschichte, Zwänge und Zielgruppen über längere Zeit kennen.
Was Praktikantinnen und Praktikanten im Alltag tun
Die Aufgaben unterscheiden sich von Arbeitgeber zu Arbeitgeber. Einige Tätigkeiten kehren jedoch häufig wieder; an ihnen lässt sich prüfen, ob ein Praktikum wirklich lehrreich ist und nicht nur aus Organisatorischem besteht.
- Eine Presseschau erstellen und verfolgen, was über die Organisation und ihre Branche gesagt wird.
- Eine Kontaktdatei pflegen und aktualisieren: Journalisten, Partner, Multiplikatoren, jeweils mit Herkunft und Datum jedes Austauschs.
- Entwürfe für Pressemitteilungen, Beiträge und Artikel für die Website oder die interne Zeitung schreiben.
- Eine Pressemappe, ein Willkommenspaket oder ein Dokument mit Fragen und Antworten vor einer Veranstaltung vorbereiten.
- An der Organisation einer Pressekonferenz, eines Besuchs oder einer Eröffnung mitwirken.
- Die Resonanz messen helfen: Veröffentlichungen, Reichweite eines Beitrags, eingegangene Rückmeldungen.
Ton und Medium auf jede Zielgruppe abstimmen
Dieselbe Tatsache wird einem Journalisten, den Beschäftigten und den Kunden nicht auf die gleiche Weise erzählt. Die Pressemitteilung kommt auf den Punkt: wer, was, wann, warum es nützlich ist, dazu ein Zitat einer verantwortlichen Person. Die interne Mitteilung darf wärmer klingen, spricht über die Teams und die konkreten Folgen. Ein Beitrag in sozialen Netzwerken braucht einen kurzen Einstieg und ein sorgfältig gewähltes Bild.
Stellen Sie sich vor dem Schreiben drei Fragen: An wen richtet sich der Text? Was soll er bewirken oder verständlich machen? Welche Informationen sind geprüft und dürfen nach außen? Diese Disziplin begleitet Sie Ihre ganze Laufbahn. Analysieren Sie außerdem vorhandene Veröffentlichungen, um die redaktionelle Linie zu erkennen: Wortschatz, Satzlänge, Einsatz von Bildern, Grad der Förmlichkeit.
Freigabe, Rechte und Vertraulichkeit
Das ist der von außen am wenigsten sichtbare und zugleich einer der wichtigsten Aspekte. Ein Text wird nie veröffentlicht, weil er gut geschrieben ist, sondern weil die richtigen Personen ihn freigegeben haben: Geschäftsleitung, Rechtsabteilung, die für das Thema zuständige Person, manchmal ein genannter Partner.
- Unterscheiden Sie stets zwischen Entwurf, korrigierter Fassung und freigegebener Fassung und benennen Sie diese klar.
- Fragen Sie, wer gegenliest, innerhalb welcher Frist und wer das letzte Wort hat.
- Prüfen Sie vor jeder Verbreitung die Rechte an Fotos, Musik, Logos und Zitaten.
- Geben Sie nichts Vertrauliches weiter, auch nicht in einem internen Gespräch, solange die Information nicht offiziell ist.
Wer diese Fragen schon in der ersten Woche stellt, beruhigt seine Betreuer: Er zeigt, dass er die Verantwortung verstanden hat, die mit dem Auftreten einer Organisation in der Öffentlichkeit einhergeht.
Ausbildungswege und Studiengänge, die zu diesen Praktika führen
In die Kommunikationsberufe gelangt man auf unterschiedlichen Wegen: Studium der Kommunikationswissenschaft, Medienwissenschaft, Germanistik oder Politikwissenschaft, Wirtschaftshochschule, spezialisierter Master. In Frankreich gibt es dafür etwa das BTS oder das BUT, ein Studium der Information und Kommunikation, Handelshochschulen, Sciences Po-Institute und spezialisierte Master. Einrichtungen wie das CELSA, eine Hochschule von Sorbonne Université, bieten Master mit Berufsphasen an, zum Beispiel in öffentlicher und politischer Kommunikation, und veröffentlichen Informationen zum Rahmen ihrer Praktika.
Der Abschluss zählt weniger als der Nachweis praktischer Fähigkeiten. Wer die Seite eines Vereins betreut, den Newsletter eines Sportclubs verfasst oder eine Campus-Veranstaltung organisiert hat, kann eine glaubwürdige Erfahrung vorweisen. Sicherer Umgang mit der Schriftsprache, aktuelle Allgemeinbildung und Interesse am Tagesgeschehen sind Voraussetzungen, die Recruiter oft schon im Gespräch prüfen.
Ein kommentiertes Portfolio aufbauen
Ein Portfolio versammelt drei bis sechs Arbeiten mit ihrem Hintergrund. Geben Sie zu jeder das Ziel, die Zielgruppe, Ihre genaue Rolle, die zeitlichen Vorgaben und das an, was Sie heute anders machen würden. Ein Text ohne Kommentar sagt wenig; derselbe Text mit der Beschreibung des Vorgehens zeigt, wie Sie denken.
- Wählen Sie unterschiedliche Stücke: eine Pressemitteilung, einen Beitrag, einen Artikel oder ein kurzes Video.
- Holen Sie das Einverständnis der abgebildeten oder genannten Personen ein, bevor Sie die Arbeiten zeigen.
- Achten Sie auf Lesbarkeit: eine einzige klare Datei, Überschriften, keine Fehler.
- Halten Sie eine kurze Fassung für die Bewerbung und eine vollständige für das Gespräch bereit.
Bewerbung in Agentur oder Organisation
Stellenangebote finden sich auf den Karriereseiten von Agenturen und Organisationen, auf Studierendenportalen und über die Karrieredienste der Hochschulen. Berufsverbände der Agenturen, in Frankreich etwa die AACC für die Kommunikation, bieten Berufsporträts und Aktionen zum Kennenlernen der Agenturen an, die helfen, die Funktionen vor der Bewerbung zu verstehen.
Bereiten Sie für das Gespräch eine kurze Analyse der Kommunikation der Einrichtung vor: eine Stärke, eine Schwäche, eine einfache Idee. Vermeiden Sie bloße Kritik. Lesen Sie aktuelle Presseartikel über die Organisation und ihre Branche und halten Sie zwei Beispiele bereit, in denen Sie schnell schreiben, nach einer Korrektur nachbessern oder einen Meinungsunterschied über einen Text lösen mussten.
Fiktives Beispiel: die Eröffnung einer Stadtteilwerkstatt
Zur Veranschaulichung stellen wir uns einen Verein vor, der in einem Stadtteil eine Fahrradwerkstatt eröffnet. Die Praktikantin beginnt damit, die Zielgruppen aufzulisten: Anwohner, benachbarte Geschäfte, Kommunalpolitiker, Journalisten der Regionalpresse, Ehrenamtliche. Sie bereitet eine kurze Pressemitteilung, eine Einladung für die Nachbarschaft und eine Nachricht an die Mitglieder vor, jeweils in eigenem Ton.
Sie erstellt einen Zeitplan: Einladung drei Wochen vorher, Erinnerung eine Woche vorher, letzte Erinnerung am Vortag. Jeden Text lässt sie von der Koordinatorin freigeben und prüft die schriftliche Zustimmung der fotografierten Personen. Am Tag selbst notiert sie die Resonanz: erschienene Artikel, Zahl der Teilnehmenden, häufige Fragen. In ihrem Bericht hält sie fest, was gut funktioniert hat, und schlägt für das nächste Mal eine Anpassung des Zeitplans vor.
Stolpersteine und gute Gewohnheiten
- Für sich selbst schreiben statt für die Leserschaft: lange Sätze, internes Fachvokabular, vage Formulierungen.
- Ohne Freigabe veröffentlichen, weil die Zeit drängt: Ein öffentlicher Fehler kostet mehr als eine Stunde Verspätung.
- Die Nachverfolgung vergessen: Ein Pressekontakt, der schlecht nachgefasst oder nicht bedankt wird, geht verloren.
- Fehler vernachlässigen, etwa falsch geschriebene Eigennamen, die die Glaubwürdigkeit einer Pressemitteilung ruinieren.
- Ergebnisse versprechen, die niemand kontrolliert, etwa eine Veröffentlichung in einem bestimmten Medium.
Führen Sie ein Lerntagebuch: Datum, Aufgabe, Rückmeldung der Betreuung, Verbesserung zum Ausprobieren. Es hilft Ihnen beim Praktikumsbericht und bei künftigen Bewerbungsgesprächen.
Häufig gestellte Fragen
Braucht man einen Abschluss in Kommunikation für ein solches Praktikum?
Nicht unbedingt. Die Einrichtungen suchen zuerst sorgfältiges Schreiben, Genauigkeit und echte Neugier für ihre Tätigkeit. Studierende der Literatur, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Sprachen oder Wirtschaft finden hier ihren Platz, vor allem wenn sie konkrete Arbeiten zeigen können, auch aus einem Vereins- oder Hochschulprojekt.
Was ist der Unterschied zwischen Pressearbeit und Öffentlichkeitsarbeit?
Die Pressearbeit betrifft Journalisten und Medien: Mitteilungen, Mappen, Einladungen, Verfolgung der Veröffentlichungen. Die Öffentlichkeitsarbeit ist weiter gefasst und schließt auch Politiker, Partner, Verbände, Beschäftigte, Kunden oder Anwohner ein. In vielen Praktika übt man beides, mit unterschiedlichen Anteilen.
Was gehört in ein Portfolio, wenn man noch nie ein Praktikum gemacht hat?
Nutzen Sie Arbeiten aus dem Studium, Texte für einen Verein, einen Blog oder ein eigenes Projekt, nachdem die betroffenen Personen zugestimmt haben. Kommentieren Sie jedes Stück: Ziel, Zielgruppe, Vorgaben, Erkenntnisse. Wenige gut erklärte Arbeiten sind mehr wert als viele Dokumente ohne Zusammenhang.
Darf ein Praktikant die sozialen Netzwerke einer Organisation betreuen?
Er kann Inhalte vorschlagen, Beiträge planen und Reaktionen verfolgen, aber die Veröffentlichung muss dem Freigabeweg der Einrichtung folgen. Fragen Sie, wer freigibt, welchen Ton Sie bei kritischen Kommentaren wählen und wie weit Sie allein antworten dürfen. Ohne diese Regeln veröffentlichen Sie besser nichts.
Wie zeigt man seine Fähigkeiten, ohne vertrauliche Informationen zu nutzen?
Stellen Sie das Vorgehen statt der Daten dar: Zielgruppe, Aufbau der Botschaft, Zeitplan, Freigabeweg, Resonanz in Größenordnungen. Ist ein Dokument öffentlich, dürfen Sie es nennen. Bei einem internen Dokument fragen Sie immer erst Ihre Betreuung um Erlaubnis, bevor Sie es in ein Portfolio aufnehmen.
Ist ein Praktikum in der Kommunikation in einer Kommune oder einem Verein möglich?
Ja. Kommunikationsabteilungen von Kommunen, Vereinen und öffentlichen Einrichtungen nehmen regelmäßig Praktikanten auf, mit Aufgaben im Schreiben, in der Veranstaltungsorganisation und bei der Betreuung von Medien. Der Rahmen ist derselbe: Vertrag mit Ihrer Hochschule, schriftlich festgelegte Aufgaben und je nach Dauer eine nach den geltenden Regeln vorgesehene Vergütung.
