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Ein Praktikum während der Licence générale: Rahmen, Nutzen und Vorgehen

In der Licence générale, dem allgemeinen dreijährigen Bachelorstudium in Frankreich, ist ein Praktikum nicht immer vorgeschrieben, kann aber ein Studien- oder Berufsziel klären. Hier erfahren Sie, wie Sie prüfen, ob Ihr Studiengang es zulässt, wie Sie es rahmen und wie Sie eine nützliche Bilanz ziehen.

Studentin der Licence bespricht ihre Praktikumsaufgabe mit einer verantwortlichen Person in einem hellen Büro
Eine Studentin der Licence zieht mit ihrem Tutor Zwischenbilanz zu ihrer Aufgabe.

Ein Praktikum in der Licence générale: Pflicht, Wahlangebot oder gar nicht vorgesehen?

Die Licence générale wird in Frankreich in drei Jahren an der Universität erworben und entspricht 180 ECTS-Punkten. Sie vermittelt vor allem fachliche Grundlagen: Geschichte, Literatur, Rechtswissenschaft, Biowissenschaften, Wirtschaft, Sprachen, Mathematik oder Psychologie. Anders als die Licence professionnelle enthält sie nicht immer eine Phase im Unternehmen.

Je nach Studiengang (mention) und Universität gibt es drei Konstellationen:

  • das Pflichtpraktikum, häufiger in Studiengängen mit Berufsbezug (Lehramt, Soziales, angewandte Sprachen, Information und Kommunikation);
  • das Wahlpraktikum, angeboten als freie Lehreinheit, für die Kreditpunkte vergeben werden;
  • kein Praktikum im Studienplan; dann kann keine Praktikumsvereinbarung unterzeichnet werden.

Der erste Schritt besteht daher darin, den Studienplan des Studiengangs zu lesen und das Studiensekretariat oder die Jahrgangsleitung zu fragen.

Warum eine Vereinbarung unverzichtbar ist

Seit dem französischen Praktikumsgesetz von 2014 muss ein Praktikum in einen Studiengang eingebunden sein. Ein „kleines Ferienpraktikum“ ohne Bezug zur Ausbildung und außerhalb jedes universitären Rahmens ist in der Regel nicht mehr möglich: Die aufnehmende Einrichtung braucht eine Praktikumsvereinbarung (convention de stage), die von der oder dem Studierenden, der Universität und ihr selbst unterzeichnet ist.

Die Vereinbarung legt Daten, Stundenzahl, Aufgaben, den Tutor der Einrichtung, die betreuende Lehrperson und die Bewertungsmodalitäten fest. Sie eröffnet den Versicherungsschutz bei Unfällen und sorgt dafür, dass die Universität das Praktikum anerkennt. Sie muss vor Beginn der Tätigkeit bestätigt sein, niemals nachträglich.

Ein Praktikum darf in Frankreich innerhalb eines Studienjahres nicht länger als sechs Monate in derselben Einrichtung dauern und nicht dazu dienen, dauerhaft eine Stelle zu besetzen. Die genauen Modalitäten, besonders die zulässigen Zeiträume, legt die Universität in ihrer Ordnung fest.

Was ein Praktikum Studierenden der Licence bringen kann

Der Wert eines Praktikums in der Licence liegt selten in einer hochspezialisierten technischen Fähigkeit. Er besteht eher darin, das Fach mit einer realen Umgebung zu konfrontieren. Wer Geschichte studiert, erlebt in einem Archiv oder Museum, was aus der Quellenanalyse wird; wer Rechtswissenschaft studiert, beobachtet in einem Verein oder einer Rechtsabteilung, wie eine Regel angewendet wird; wer Biologie studiert, sieht die Handgriffe im Labor.

Diese Anwendung des Fachs hilft bei Fragen, die der Unterricht offenlässt: Gefällt mir dieser Beruf wirklich? Welche Aufgaben motivieren mich? Brauche ich einen bestimmten Master, eine Licence professionnelle oder eine Hochschule? Ein Praktikum, das dazu führt, eine Möglichkeit auszuschließen, ist ein Erfolg, denn es erspart eine teurere Fehlentscheidung.

Es bereichert zudem einen noch kurzen Lebenslauf und liefert konkrete Beispiele für Vorstellungsgespräche oder die Bewerbung um einen Masterplatz.

Wo und wie man ohne Netzwerk sucht

Studierende der Licence générale haben oft weder eine Liste von Partnerunternehmen noch ein Adressbuch. Erste Anlaufstelle ist dann die universitäre Einrichtung für Studienorientierung und Berufseinstieg: Sie bietet Stellenangebote, Lebenslauf-Workshops und manchmal eine eigene Praktikumsplattform. Einige Universitäten veröffentlichen auch Merkblätter, die ihr Angebot erklären.

Mögliche Arbeitgeber sind vielfältig: Gebietskörperschaften, Vereine, Bibliotheken und Mediatheken, Kanzleien, Unternehmen, Verlage, Gesundheitseinrichtungen, Forschungslabore. Wer Literaturwissenschaft studiert, kann eine Buchhandlung, eine Kommunikationsabteilung oder ein digitales Verlagsprojekt ansteuern; wer Mathematik studiert, ein Planungsbüro oder eine Datenabteilung.

Wirksam ist eine präzise Anfrage, etwa „Einsatz von drei bis vier Wochen rund um die Verwaltung eines Archivbestands“, statt „Praktikum in Geschichte“, was für die Einrichtung zu vage ist.

Dauer, Zeitraum und Vergütung

Die Dauer hängt von der Universität und der Art des Praktikums ab. Ein freiwilliges Praktikum liegt oft außerhalb der Lehrzeiten, etwa am Semesterende oder im Sommer, während ein Pflichtpraktikum im Studienplan verankert ist. Mehrere Hochschulen begrenzen ein freies Praktikum auf wenige Wochen und vergeben entsprechend anteilige Kreditpunkte.

Überschreitet die Anwesenheit in derselben Einrichtung zwei Monate, also 44 Tage, ist in Frankreich eine Praktikumsvergütung (gratification) verpflichtend. Der Mindeststundensatz beträgt 15 % der Stundenobergrenze der Sozialversicherung, nach den für 2026 geltenden französischen Regeln also 4,50 Euro pro Stunde. Darunter kann die Einrichtung je nach ihrer Politik einen Betrag zahlen oder nicht.

Das Praktikum ersetzt keinen Arbeitsvertrag: Die Studierenden sind keine Beschäftigten, zahlen nicht als solche Beiträge und behalten ihren Hochschulstatus samt Anwesenheitspflicht bei Prüfungen.

Ein Beispiel: drei Wochen in einer Abteilung für Kulturvermittlung

Hier ein fiktiver Fall mit gerundeten Zahlen. Eine Studentin der Kunstgeschichte im zweiten Studienjahr meldet sich für eine Lehreinheit Praktikum von fünfzehn Arbeitstagen an.

  1. Vorbereitung: Sie lässt ihr Vorhaben von der Leiterin des Studiengangs bestätigen und erhält eine Praktikumsvereinbarung.
  2. Aufgabe: Sie bereitet ein Begleitheft für Schulklassen vor, begleitet zwei Gruppen und sammelt die Fragen der Kinder.
  3. Bilanz: Sie verfasst einen sechsseitigen Bericht, hält fest, was sie selbst getan und was sie nur beobachtet hat, und bittet die Tutorin um eine schriftliche Beurteilung.

Ergebnis: Die Studentin merkt, dass sie gern Materialien für das Publikum entwickelt, die Logistik aber weniger mag. Sie richtet ihre Masterwahl daraufhin eher auf Vermittlung als auf Bestandserhaltung aus. Das Beispiel zeigt den Wert einer ausformulierten Bilanz, weit mehr als die Dauer des Praktikums.

Vom Praktikum zur Wahl von Master, Licence professionnelle oder Hochschule

Die Bilanz eines Praktikums in der Licence beleuchtet mehrere Wege. Eine Licence professionnelle, zugänglich nach einem Bac+2, passt zu wem einen Beruf auf kürzere Sicht will; ein Master verlängert die Spezialisierung; manche Hochschulen nehmen im dritten Jahr neue Studierende auf. Ein gut ausgewertetes Praktikum hilft zu unterscheiden, was Freude am Fach ist und was Freude an einem Beruf.

Zur Strukturierung der Überlegungen kann man drei Spalten anlegen: die geschätzten Aufgaben, die lästigen Aufgaben, die fehlenden Kompetenzen. Die zweite Spalte ist oft ebenso aufschlussreich wie die erste.

Die Beraterinnen und Berater des Orientierungsdienstes der Universität helfen, diese Erkenntnisse zu deuten, passende Master zu finden und Bewerbungsunterlagen vorzubereiten. Die Überlegung sollte vor Ende des zweiten Jahres stattfinden, wenn die Entscheidungen für das dritte Jahr und den Master anstehen.

Häufige Fehler und Alternativen zum Praktikum

  • Ohne Vereinbarung anfangen: Dann besteht nicht der vorgesehene Versicherungsschutz.
  • Auf Prestige statt auf die Aufgabe zielen: Eine kleine Einrichtung, die ein echtes Projekt anvertraut, ist mehr wert als ein großer Betrieb, der nur Beobachtung bietet.
  • Kein Tagebuch führen: Ohne Aufzeichnungen bleibt die Bilanz vage.
  • Die Prüfungen vernachlässigen: Ein Praktikum mitten in der Prüfungszeit gefährdet das Semester.

Bietet die Licence kein Praktikum an, gibt es andere Erfahrungen: einen Studentenjob mit Bezug zum Vorhaben, ehrenamtliches Engagement, einen Freiwilligendienst (service civique), Tutorien, betreute Projekte, Workshops der Universität. Auch sie bereichern einen Werdegang, sofern man sie mit präzisen Fakten erzählt.

Häufig gestellte Fragen

Kann man ein Praktikum machen, wenn die Licence keines vorsieht?

Es muss ein universitärer Rahmen bestehen: eine freie Lehreinheit, ein begleitetes freiwilliges Praktikum oder ein Angebot der Hochschule. Ohne Bezug zum Studiengang kann die Vereinbarung nicht unterzeichnet werden. Studierende sollten daher ihr Institut fragen, ob und wie ein Praktikum anerkannt werden kann.

Wird ein Praktikum in der Licence générale vergütet?

Die Vergütung ist in Frankreich verpflichtend, wenn das Praktikum zwei Monate Anwesenheit in derselben Einrichtung überschreitet, mit mindestens 4,50 Euro pro Stunde nach den für 2026 geltenden Regeln. Darunter ist sie freiwillig. Der Betrag ist gesetzlich festgelegt und ändert sich, also vor der Unterschrift prüfen.

Wann macht man ein Praktikum während der Licence?

Der Zeitpunkt hängt vom Studienplan ab. Ein freiwilliges Praktikum liegt eher zwischen zwei Semestern oder im Sommer, um Kurse und Prüfungen nicht zu stören. Ein Pflichtpraktikum steht zu einem festen Termin. Im Zweifel nennt die Jahrgangsleitung die zulässigen Zeiträume.

Wer unterzeichnet die Praktikumsvereinbarung?

Die Studierenden, die Universität, vertreten durch die zuständige Person, und die aufnehmende Einrichtung. Tutor und betreuende Lehrperson werden darin benannt. Die Unterschriften müssen vor dem ersten Tag vollständig sein. Sonst droht bei Unfällen oder Streit über die Aufgaben ein fehlender Schutz.

Kann ein Praktikum in der Licence beim Zugang zum Master helfen?

Ja, denn es liefert konkrete Beispiele für Bewerbung oder Gespräch und zeigt Interesse an einem Anwendungsfeld. Es ersetzt nicht die Studienleistungen, die die Auswahlgremien zuerst prüfen. Das Praktikum zählt vor allem, wenn es klar mit dem Masterprojekt verbunden ist.

Kann man die Licence générale in Alternance absolvieren?

Das ist seltener als in der Licence professionnelle oder im BUT, aber manche Universitäten bieten in einzelnen Studiengängen oder Schwerpunkten Ausbildungsplätze an. Man sollte das Studienangebot der Hochschule prüfen und das Ausbildungszentrum (CFA) nach Bedingungen und Zeitplan fragen.

Was tun, wenn man kein Praktikum findet?

Man kann den Berufseinstiegsdienst der Universität um Hilfe bitten, die Suche auf Vereine oder Gebietskörperschaften ausweiten, eine kürzere Dauer anpeilen oder eine gleichwertige Erfahrung wählen, etwa ein betreutes Projekt oder ein anerkanntes ehrenamtliches Engagement. Ein Gespräch mit der betreuenden Lehrperson hilft, eine Lösung zu finden.

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