Eine Branche, mehrere Berufsfamilien
Wer von erneuerbaren Energien spricht, meint Arbeitswelten, die fast nichts gemeinsam haben. Eine Baustelle mit Photovoltaikmodulen auf einem Lagerhaus, ein Windpark im Betrieb, ein Holzheizwerk, das ein Wärmenetz speist, oder eine Wärmepumpe bei einem Privatkunden brauchen weder dieselben Werkzeuge noch dieselben Teams.
Für ein Praktikum oder einen Ausbildungsvertrag ist es hilfreich, in drei großen Funktionsfamilien zu denken:
- Planung: eine Anlage dimensionieren, Szenarien vergleichen, den erwarteten Ertrag schätzen, eine technische Akte aufbauen;
- Umsetzung: eine Baustelle vorbereiten und begleiten, verkabeln, anschließen, in Betrieb nehmen, kontrollieren;
- Betrieb: den Betrieb überwachen, Daten auswerten, Wartung organisieren, Störungen bearbeiten.
Jedes Unternehmen mischt diese drei Blöcke anders. Ein Ingenieurbüro ist stark auf Berechnung und Dokumentation ausgerichtet, ein Installateur auf die Baustelle, ein Betreiber auf Überwachung und Daten.
Eine Branche wählen, bevor man sich bewirbt
Eine Bewerbung mit dem Satz „Ich möchte bei den Erneuerbaren arbeiten“ übersteht selten das erste Lesen. Besser ist es, eine Technologie zu nennen und zu erklären, warum sie Sie reizt.
- Photovoltaik: Untersuchung von Dächern und Verschattung, Schaltpläne, Montage, Anschluss, Ertragsüberwachung.
- Solarthermie und Wärmepumpen: Hydraulik, Regelung, Dimensionierung des Warmwasser- oder Heizbedarfs.
- Windkraft: Projektentwicklung, Wartung von Anlagen, streng geregelte Auflagen zu Arbeitshöhe und Sicherheit.
- Biomasse, Biogas, Geothermie: Verfahren, Rohstoffversorgung, Betrieb von Anlagen, Beziehungen zu den Regionen.
- Wasserkraft: Betrieb von Bauwerken, Instandhaltung, Steuerung der Abflüsse und Umweltauflagen.
Wenn Sie zögern, bevorzugen Sie für ein erstes Praktikum einen kleinen vielseitigen Betrieb: Dort sehen Sie oft die gesamte Kette, vom ersten Besuch bis zur Inbetriebnahme, was bei der Entscheidung für eine Spezialisierung hilft.
Was ein Praktikant oder Auszubildender wirklich tun kann
Die Aufgaben hängen vom Ausbildungsstand und vom Team ab, doch einige Beispiele kehren regelmäßig wieder.
Im Ingenieurbüro
Verbrauchserfassungen, Dateneingabe in eine Simulationssoftware, Vergleich mehrerer Konfigurationen, Verfassen technischer Notizen, Pflege von Geräte-Bibliotheken. Eine sichere Tabellenkalkulation und ein Sinn fürs Nachprüfen zählen weit mehr als ein beeindruckender Wortschatz.
Auf der Baustelle
Begleitung eines Montageteams, Erfassung von Leitungen, Sichtkontrolle, Baustellenfotos, Ausfüllen von Abnahmeblättern. Arbeiten auf Dächern oder an elektrischen Anlagen unterliegen strengen Regeln: Ein Anfänger greift nur im vorgesehenen Rahmen ein, mit Schutzausrüstung und der nötigen Betreuung.
Im Betrieb
Lesen von Ertragskurven, Erkennen von Abweichungen zwischen Prognose und tatsächlichem Ergebnis, Vorbereiten von Wartungsbesuchen, Führen einer Störungshistorie. Das ist ein wertvolles Lernfeld, um zu begreifen, dass ein angekündigtes Ergebnis immer von Annahmen abhängt: Wetter, Ausrichtung, Zustand der Geräte, Nutzung des Standorts.
Ausbildungswege, die zu diesen Berufen führen
Auf die erneuerbaren Energien bereitet man sich auf verschiedenen Wegen vor, vom CAP bis zum Ingenieurstudium. Kein einzelner Abschluss ist vorgeschrieben: Arbeitgeber stellen nach der angestrebten Funktion ein.
- Berufliche Richtungen: CAP und Fachabitur (bac professionnel) in Elektrotechnik, Instandhaltung oder Klimatechnik, teils mit einer Zusatzqualifikation oder einer Spezialisierung auf erneuerbare Energien.
- BTS und BUT: Elektrotechnik, Fluide und Energie, Elektrotechnik und Industrieinformatik, Thermotechnik und Energie, oft als duale Ausbildung zugänglich.
- Licences professionnelles: Studiengänge zu Energiemanagement, Photovoltaik oder Energieeffizienz im Gebäude.
- Ingenieurschulen und Master: Energietechnik, Elektrotechnik, Klimatechnik, Umwelt, mit zahlreichen dualen Studiengängen.
Die duale Ausbildung hat einen konkreten Vorteil: Sie wechseln ein bis drei Jahre lang zwischen Unterricht und Betrieb, mit Arbeitsvertrag, Gehalt und einem Ausbilder. Ein Praktikum bleibt dagegen eine betreute Eintauchphase auf Grundlage einer Vereinbarung zwischen Einrichtung, aufnehmender Stelle und Ihnen.
Befähigungen, Sicherheit und Grenzen der übertragenen Aufgaben
Das ist der heikelste Punkt der Branche. Wer in der Nähe eines Wechselrichters, eines Schaltschranks oder eines Dachs arbeitet, braucht besondere Sicherheitsschulungen.
- Die elektrotechnische Befähigung erteilt der Arbeitgeber nach einer Schulung, die dem Eingriffsniveau entspricht. Ein Praktikant ohne Befähigung führt keine Schaltungen und keine Arbeiten an Anlagen unter Spannung aus.
- Arbeiten in der Höhe verlangen kollektive oder persönliche Schutzmaßnahmen, Schulung und Betreuung. Für minderjährige Schüler begrenzen besondere Regeln gefährliche Arbeiten.
- Die Schutzausrüstung (Helm, Schuhe, Handschuhe, bei Bedarf Gurt) muss gestellt und erklärt werden.
Stellen Sie die Frage schon im Gespräch: „Welche Aufgaben werden beobachtend ausgeführt, welche unter direkter Aufsicht?“ Ein seriöses Unternehmen antwortet ohne Verlegenheit. Eine vage Antwort oder das Versprechen, auf einer Baustelle in der Höhe „wie alle anderen“ mitzumachen, sollte Sie vorsichtig machen.
Ein Praktikum oder einen Ausbildungsvertrag finden
Der Markt ist offener, als er scheint, wenn man an den richtigen Orten sucht.
- Örtliche Installateure und Ingenieurbüros: Sehen Sie in die Mitgliederverzeichnisse der Berufsverbände und sprechen Sie Unternehmen in Ihrer Nähe an.
- Betreiber und Projektentwickler: Erzeuger erneuerbaren Stroms, Wartungsfirmen, Parkbetreiber.
- Kommunen und Energieverbände: Abteilungen für Energie und Klima, gemeinsame Energieberatungen, Wärmenetze.
- Ausbildungszentren: Deren Lehrteams kennen die Unternehmen, die regelmäßig Auszubildende aufnehmen.
- Messen und Foren: direkte Treffen mit Personalverantwortlichen, nützlich, um einen persönlichen Ansprechpartner zu bekommen.
Beginnen Sie die Suche früh. Für einen Ausbildungsbeginn im Herbst werden die ersten Bewerbungen mehrere Monate im Voraus vorbereitet, und kleinere Unternehmen entscheiden oft in letzter Minute.
Unterlagen zusammenstellen, die einen Techniker überzeugen
Ein technischer Leiter liest einen Lebenslauf in wenigen Sekunden. Er sucht Belege für Neugier und Sorgfalt statt großer Grundsätze.
- Nennen Sie ein konkretes Projekt: Dimensionierung einer kleinen Anlage für einen Kurs, ein Modell, die Verbrauchserfassung eines Gebäudes, eine in der Werkstatt gebaute Schaltung.
- Geben Sie Ihre Werkzeuge an: Tabellenkalkulation, Zeichenprogramm, Simulationswerkzeuge, Lesen von Schaltplänen.
- Nennen Sie im Anschreiben die angestrebte Branche, die gewünschte Funktion und die verfügbare Dauer.
- Legen Sie die Mustervereinbarung Ihrer Einrichtung bei oder nennen Sie den Zeitplan der dualen Ausbildung.
Bereiten Sie für das Gespräch zwei einfache technische Fragen vor: „Wie verfolgen Sie die Differenz zwischen prognostiziertem und beobachtetem Ertrag?“ oder „Welche Software nutzen Sie für die Planung?“ Sie zeigen, dass Sie verstanden haben, wo die Schwierigkeit des Berufs liegt.
Anschauliches Beispiel: ein zehnwöchiges Praktikum im Ingenieurbüro
Nehmen wir einen fiktiven Fall mit gerundeten Zahlen. Eine BUT-Studentin verbringt zehn Wochen in einem kleinen Ingenieurbüro, das sich auf Solaranlagen auf Gewerbegebäuden spezialisiert hat.
- Woche 1 und 2: Kennenlernen der Werkzeuge, Lesen älterer Akten, Beobachten eines Dachbesuchs.
- Woche 3 bis 6: Überarbeitung von Verbrauchserfassungen für drei Gebäude, Vergleich zweier Modulanordnungen, Verfassen einer Zusammenfassung.
- Woche 7 bis 9: Vergleich der in der Planung vorhergesagten mit der gemessenen Erzeugung an einem bereits ausgestatteten Standort, mit einer Liste möglicher Ursachen für Abweichungen.
- Woche 10: Präsentation vor dem Team und Bilanz mit dem Betreuer.
Eine solche Aufgabe liefert ein Ergebnis, das die Studentin in späteren Bewerbungen vorzeigen kann, unter Wahrung der Vertraulichkeit der Unternehmensdaten.
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Überall mit demselben Text bewerben, ohne Technologie oder Funktion zu nennen.
- Ein Beobachtungspraktikum mit einer Technikerstelle verwechseln: Das Maß an Selbstständigkeit ist ein anderes.
- Eine Aufgabe annehmen, die eine Befähigung oder Ausrüstung verlangt, die Sie nicht haben.
- Vergessen zu fragen, wie das Unternehmen Prognosen und tatsächliche Ergebnisse vergleicht, obwohl das der Kern des Berufs ist.
- Die Vereinbarung oder den Vertrag vernachlässigen: Prüfen Sie vor dem Beginn Termine, Aufgaben, Arbeitszeiten, mögliche Vergütung und Namen des Betreuers.
- Glauben, die Branche stelle nur Ingenieure ein: Viele technische Stellen sind mit Abitur bis Bachelor-Niveau zugänglich.
Halten Sie schließlich Woche für Woche fest, was Sie lernen. Ein Arbeitsheft hilft beim Verfassen des Praktikumsberichts und dabei, im Gespräch genau über Ihre Erfahrung zu sprechen.
Häufig gestellte Fragen
Braucht man einen bestimmten Abschluss für ein Praktikum bei den erneuerbaren Energien?
Nein, ein bestimmter Abschluss wird nicht verlangt. Unternehmen nehmen Schüler und Studierende der Elektrotechnik, Klimatechnik, Instandhaltung, Energietechnik oder Umwelt auf. Wichtig ist ein stimmiger Zusammenhang zwischen Ihrer Ausbildung, der gewählten Branche und den möglichen Aufgaben, zum Beispiel ein in der Werkstatt oder im Unterricht erarbeitetes Projekt.
Darf ein Praktikant auf einem Dach oder an einer elektrischen Anlage arbeiten?
Nur in einem genauen Rahmen. Arbeiten in der Höhe und an elektrischen Anlagen verlangen Schulung, Schutzmaßnahmen und Betreuung, und die elektrotechnische Befähigung erteilt der Arbeitgeber. Ein Anfänger beobachtet zuerst und handelt dann unter direkter Aufsicht. Für Minderjährige gelten noch strengere Regeln: Fragen Sie bei Einrichtung und Unternehmen nach.
Was unterscheidet ein Praktikum von einem Ausbildungsvertrag?
Das Praktikum ist eine durch eine Vereinbarung geregelte Ausbildungsphase im Betrieb ohne Arbeitsvertrag. Die duale Ausbildung ist ein Arbeitsvertrag im Wechsel mit Unterricht in einem Ausbildungszentrum, mit Gehalt und Ausbilder. Die Beträge für Praktikumsvergütung oder Ausbildungsvergütung sind in Frankreich gesetzlich festgelegt und ändern sich: Prüfen Sie sie vor der Unterschrift.
Wo finde ich Unternehmen, die junge Menschen in Solar oder Windkraft aufnehmen?
Gute Ausgangspunkte sind die Mitgliederverzeichnisse der Berufsverbände, Ausbildungszentren, Jobmessen und die Karriereseiten der Verbände. Ergänzen Sie dies durch eine örtliche Suche: Installateure, Ingenieurbüros, Parkbetreiber und Kommunen mit einer Energieabteilung.
Was tun, wenn der Betrieb nur Verwaltungsaufgaben anbietet?
Ein Teil Dokumentation ist normal, vor allem im Ingenieurbüro. Entfernen sich die Aufgaben aber dauerhaft von dem, was in der Vereinbarung steht, sprechen Sie zuerst mit dem Betreuer, dann mit der betreuenden Lehrkraft oder der Praktikumsstelle. Ziel ist, das Programm anzupassen, nicht sofort abzubrechen.
Wann sollte man die Suche nach einer dualen Ausbildung in dieser Branche beginnen?
So früh wie möglich, am besten sechs bis neun Monate vor Ausbildungsbeginn. Viele Unternehmen entscheiden spät, doch wer zu Beginn des Schuljahres einen Auszubildenden sucht, prüft schon im Frühjahr Bewerbungen. Nutzen Sie das Ausbildungszentrum, um Kontakte zu erhalten und Ihre Unterlagen gegenlesen zu lassen.
Führen die erneuerbaren Energien nach dem Praktikum zu einer Stelle?
Eine Einstellung ist nie garantiert. Ein gelungenes Praktikum oder eine duale Ausbildung verbessert aber Ihre Chancen: Sie kennen Team, Werkzeuge und Sicherheitsanforderungen. Der Bedarf schwankt je nach Region und Projektlage, weiten Sie Ihre Suche daher auf mehrere Branchen und Arbeitgebertypen aus.
